Elternkreis
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„Eltern drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlicher Köln II“
„Eltern drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlicher Köln II“

Rede zur 30-Jahr-Feier der Selbsthilfegruppe

 „Elternkreis drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlicher Köln II“

07. Juni 2013 um 17.00 Uhr,Gemeindehaus der ev. Pauluskirche,
Thurner Straße 105, 51069 Köln-Dellbrück

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Wegbegleiter und Eltern,

ich freue mich über die Einladung zur heutigen Jubiläumsfeier.

Wir feiern heute 30 Jahre Bestehen der Selbsthilfegruppe

"Elternkreis drogengefährdeter und -abhängiger Jugendlicher Köln II".

30 Jahre für eine Selbsthilfegruppe: Das ist eine stolze Leistung!

 

Ich freue mich ganz besonders, dass Frau G. heute hier ist. Sie ist die Gründerin und langjährige Leiterin dieser bemerkenswerten Initiative. Ich begrüße auch Herrn R., der mit viel Engagement die Gruppe heute leitet und den Geist weiterträgt. Gerade dieses private Engagement ist es, was heute wichtiger ist denn je.

In einer Zeit, in der Interessen der Einzelnen immer mehr im Vordergrund
stehen, ist eine solche Initiative etwas ganz Besonderes.

30 Jahre, das bedeutet mehr als persönliche Betroffenheit.

Das sind 30 Jahre ehrenamtliche Arbeit an einem Thema, das in unserer
Gesellschaft nicht an Aktualität verloren hat, ja leider immer mehr zunimmt.
 
Junge Menschen sind heutzutage immer höheren Ansprüchen ausgesetzt. Die Erwartungen an einen erfolgreichen Schulabschluss, die Erwartungen, eine Lehrstelle zu bekommen oder ein Studium aufzunehmen, sind groß.

Die Zeiten, in denen man zur Volksschule gegangen ist, eine Lehre gemacht hat und in dem Beruf dann in die Rente gegangen ist, sind vorbei.

Lebenslanges Lernen, Flexibilität und Mobilität werden heute von jedem
selbstverständlich erwartet. Arbeitsverdichtung ist ein Phänomen unserer Zeit. Fernsehen und soziale Medien suggerieren ein Leben mit Erfolg und Wohlstand.

Dem gegenüber steht oft eine harte Realität.

Soziale Ausgrenzung und Versagensängste, damit sehen sich junge Menschen
konfrontiert, wenn Erwartungen sich nicht erfüllen.

Soziale Netze sind vielfach abgelöst durch virtuelle Welten. Da ist es nicht
verwunderlich, dass junge Menschen flüchten wollen, einen Ausweg suchen.


Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt in einer
deutschlandweiten Befragung fest, dass bereits über 17 Prozent der 12 bis 17-jährigen eine illegale Droge angeboten bekommen haben und 7,2 Prozent haben diese auch schon probiert.

Viele Drogen, insbesondere die neuen chemischen Drogen, sind leichter verfügbar denn je. Sie sind leicht herzustellen, billig und überall zu kaufen, wo sich junge Menschen treffen.

Aber was passiert, wenn ein junger Mensch Drogen nimmt?
 
Was passiert in der Familie, was im Umfeld?
 
Herr R. nutzt hier ein passendes Bild. Die Familie ist wie ein Mobile!

Wenn man ein Teil des Mobiles anstößt, gerät das ganze Mobile in Bewegung. Alle Teile sind betroffen. Wenn eine Tochter oder ein Sohn Drogen nimmt, ist es oft nicht anders. Der junge Mensch fängt an, sich in seinem Lebensbild zu drehen. Die Familie reagiert überrascht, überfordert und enttäuscht. Eltern sind in dieser Situation meist auf sich selbst gestellt. Für viele ist es schwierig, das
Problem für sich anzunehmen, Hilfe zu finden und sich Dritten gegenüber zu
öffnen.

Ohnmacht und das Gefühl, vielleicht selbst versagt zu haben, sich
einzugestehen, dass das eigene Kind Drogen nimmt, begleiten die Eltern.

Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit belasten den Jugendlichen, die Eltern und das
gesamte soziale Umfeld. Wenn es hier gelingt, Eltern praxisnah zu unterstützen,
wirkt sich das in der Regel auch positiv auf die Situation der Kinder aus. Nur so kann ein familiärer Heilungsprozess beginnen.

Ein großer Teil der Jugendlichen macht seine Erfahrungen mit legalen und
illegalen Suchtstoffen sehr früh. Das Deutsche Institut für Sucht – und Präventionsforschung führte für Köln 2009 und 2010 eine Umfrage zu Substanzkonsum und Suchtgefährdung bei Kindern und Jugendlichen in Köln durch.

Es wurden 1.426 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren in 14
Kölner Schulen befragt. Dabei wurde belegt, dass 50 Prozent der Kinder bereits
mit 12 Jahren oder früher geraucht haben. 49 Prozent der Schülerinnen und
Schüler haben ihr erstes Glas Kölsch ebenfalls mit 12 Jahren oder früher
getrunken.

Etwas später werden Erfahrungen mit der illegalen Substanz Cannabis gesammelt, aber auch hier berichten 34 Prozent der Jugendlichen mit Cannabiserfahrung, dass sie ihren ersten Kontakt mit der Droge bereits im Alter von 13 Jahren oder jünger hatten.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie früh viele Jugendliche bereits mit klassischen
Rauschmitteln in Kontakt kommen, oft schon vor der Pubertät. In diesem Alter
ist der Einfluss der Eltern oft noch maßgebend. Und daher ist hier auch ein
wichtiger Ansatzpunkt für eine notwendige Beratung.

 

Es gibt in Köln viele Beratungsangebote für Drogenabhängige und deren Angehörige. Selbsthilfegruppen sind dabei ein ganz wichtiger Baustein im sozialen Hilfesystem. Gestützt werden diese und auch andere Selbsthilfegruppen von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des paritätischen Wohlfahrtsverbandes Köln. Hier finden die Initiativen kompetente Ansprechpartner, die bei der Gründung helfen, Kontakte vermitteln, bei Büro- und Öffentlichkeitsarbeit zur Seite stehen. Der Elternkreis wurde und wird durch diese wichtige Unterstützung nachhaltig gestärkt.

Die Selbsthilfegruppe, deren 30-jähriges Engagement wir heute feiern dürfen,
bietet allen Eltern eine offene und verschwiegene Anlaufstelle, wenn der
Verdacht besteht, dass das eigene Kind mit Drogen in Kontakt gekommen ist.

Der Austausch von Erfahrungen mit anderen betroffenen Eltern, gegenseitige
Schilderungen von Ratlosigkeit und Angst können schon oft Ansätze von Lösungen sein. Eltern lernen, was Sucht bedeutet und lernen, mit dem Süchtigen umzugehen.

Eltern können Eltern helfen, neuen Mut zu gewinnen. Der erste Besuch kann schon ein Schritt in Richtung einer Veränderung sein.

Doch Wege aus der Sucht sind mühsam und langwierig – sie bedingen meist
kontinuierlicher Unterstützung.

Hier gibt die Gruppe Halt - Sie bietet das soziale Netz, welches neben den
Beratungsstellen Wege aufzeigt, das Drogenproblem innerhalb der Familie zu
überwinden.

Ein soziales Netz ist wichtig! Ein soziales Netz, wie es die betroffenen Jugendlichen in ihrer Welt vielleicht nicht mehr finden.

Soziales Engagement - es ist der Kern gegenseitiger Hilfe. Uneigennützige Unterstützung ist der wertvollste Baustein gesellschaftlichen Zusammenlebens. Heute sind wir hier, um genau solch ein Engagement zu ehren.

30 Jahre „Elternkreis drogengefährdeter - abhängigen Kinder/Jugendlichen“ hat vielen Familien helfen können. Es ist eine Erfolgsgeschichte von privater Initiative für gegenseitige Hilfe in einer immer anonymer werdenden Welt.

Ich hoffe und wünsche mir, dass dieser Elternkreis noch viele Jahre und Jahrzehnte betroffenen Eltern und Familien helfen kann. Ich bedanke mich bei Frau G., Herrn R., aber auch bei den vielen Eltern, die diese Initiative gestützt haben und täglich aufs Neue stützen und wünsche Ihnen und damit uns alles Gute für die Zukunft.

 

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