Elternkreis
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„Eltern drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlicher Köln II“
„Eltern drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlicher Köln II“

Die Segel anders setzen!

"Wir können den Wind nicht ändern, 

aber die Segel anders setzen.“  (Aristoteles)

 

Unser Sohn kam in der 32. SSW als Zangengeburt mit einer Hirnblutung II Grades auf die Welt.

Nachdem die Prognose von medizinischer Seite sehr unterschiedlich beurteilt wurde, kam eine lange Phase der Fürsorge und Ängste.

Durch intensive Frühförderung entwickelte er sich motorisch und neurologisch zwar  mit 8 Wochen verzögert aber regelrecht.

Im Kindergarten kam es zu ersten sozialen Auffälligkeiten mit motorischer Unruhe, die Diagnose ADHS wurde von mehreren Fachärzten gesichert.

Die Einnahme von Ritalin erfolgte ab dem 1. Schuljahr, wodurch die motorische Unruhe und Konzentration deutlich gebessert waren, die sozialen 

Schwierigkeiten jedoch gemäßigt fortbestanden.

 

Mit einer eindeutigen Gymnasialempfehlung kam unser Sohn aufs Gymnasium und der erste Cannabiskontakt kam mit dem 13. Lebensjahr, später kamen auch Alkohol und Amphetamine dazu. Heute ist er 20 Jahre alt. Seit 7 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema Drogen, Sucht, Ursache und möglichen Hilfen. Alle unsere Bemühungen, ob es Gespräche, Verbote, Drohungen, oder Therapieangebote waren, hatten einen mäßigen Erfolg. Nachdem er die Schule Anfang der 12. Klasse geschmissen hat, setzte er das Ritalin ab und es kam zu einer Phase des exzessiven Konsums. Durch Glück und Zufall wurde ihm durch Freunde eine Arbeit angeboten.

Seit 1 Jahr arbeitet er nun als Hilfsarbeiter und seit 1 Monat hat er seine eigene, kleine Wohnung. 

Dadurch hat sich der familiäre Umgang deutlich entspannt. Er geht zur Arbeit und raucht abends seinen Joint. Er hat seine Ordnung, seinen Rhythmus und ein eigenverantwortliches Leben. Wenn er Hilfe benötigt stehen wir ihm unterstützend zur Seite, aber wir leben getrennt voneinander.

 

Unsere gemeinsame Veränderung wurde durch ein Seminar unterstützt "Motivierende Gesprächsführung in Anlehnung an das Konzept MOVE der ginko Stiftung NRW", was vom SKM Köln angeboten wurde (s. auch Aktivitäten - Rückblick 2018). Seitdem fällt es uns leichter, auch die Seite unseres Sohnes zu verstehen. Wir haben verstanden, dass Druck Widerstand erzeugt und dass der Wille zum Aufhören von den Jugendlichen selbst kommen muss. Zurzeit ist uns der gute Kontakt mit Kommunikation auf Augenhöhe wichtig. Früher war unser gemeinsamer Umgang von Aggressionen, Vorwürfen, Angst und Wut durch unsere Machtlosigkeit geprägt.

 

Auf die Frage, warum unsere Kinder süchtig und andere Jugendliche nur „Gelegenheitskiffer“ sind, bekamen wir im Seminar eine plausible Erklärung. Mangelnde Frustrationstoleranz und Sensibilität sind wohl ein Baustein zur Suchtentwicklung. Bedürfnisse, wie Kontaktaufnahme, Enthemmung und Entspannung werden durch Drogen schnell befriedigt, so dass der emotionale, subjektive Nutzen einer Droge oft höher ist, als die Nachteile.

Für viele Jugendliche besteht kein Grund mit dem Konsum aufzuhören, denn es gibt auch eine Menge Vorteile. 

In Anbetracht auf die Entwicklungsgeschichte unseres Sohnes hatte ich gleich mehrere Aha- Erlebnisse in Bezug auf ADHS, Selbstwertgefühl, Frustrationen, Sensibilität und sozialer Anerkennung.

Wir versuchen nun die innere Waage unseres Sohnes zu sehen, versuchen weiter den Glauben an ihn zu behalten, stehen ihm unterstützend zur Seite, sind auch manchmal unbequem und hoffen, dass wir ihm die Hilfe zur Selbsthilfe geben können.

 

Durch unsere räumliche Distanz und die bereichernden Informationen aus dem "MOVE Seminar" konnten wir auch eine größere emotionale Distanz entwickeln. Zu lange haben wir gedacht, dass wir durch Reden, Druck und Strafen etwas erreichen können und zu wenig haben wir über die Selbstbestimmung unseres Sohnes nachgedacht. Vielleicht waren wir auch zu viel mit uns selbst, unseren Wünschen, Hoffnungen und Zukunftsängsten beschäftigt. Seitdem wir ein wenig loslassen können, geht es uns als Paar auch viel besser.

 

Der Weg weg von der Droge dauert wohl aber genau so lange, wie der Weg in die Sucht hinein. Veränderung ist ein langer Weg, teilweise im Inneren und für andere nicht sichtbar!

 

Auch der Vortrag von Jürgen Weber im Elternkreis, hat uns darin bestärkt, dass unser Einfluß nur noch sehr gering ist, aber möglich!

Das Verständnis über die Pubertät der Kinder und die unterschiedlichen Sicht- und Handlungsweisen von Mann und Frau, die notwendige Selbstfürsorge von uns Eltern gespickt mit einer Prise Humor und gelegentlicher paradoxer Intervention können ein weiterer Baustein für gemeinsame Veränderung sein.

 

Wir wissen nicht wo unser gemeinsamer Weg hingeht, aber wir wissen, dass wir unseren Sohn bedingungslos lieben und den roten Faden nicht verlieren möchten. Aber alleine durch unsere Veränderung beginnen sich auch Dinge bei ihm zu verändern und darüber freuen wir uns sehr, aber es bleibt spannend mit Höhen und Tiefen!

 

 

Aktuelles

Nächstes Treffen Elternkreis:

26.11.2019, 20.00 Uhr

Besuch der Kölner Suchtselbsthilfe KSH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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